Samstag, 20. April 2013

Ein paar Notizen zum Thema Vegan-Sein

Einige Gedanken zu häufigen Reaktionen auf die Information, dass ich mich vegan ernähre und nach und nach auch im Alltag auf tierische Produkte verzichte:
  • "Dann kannst du ja fast gar nichts mehr essen."
    Vegane Ernährung ist sehr vielseitig; für die tierischen Produkte, also hauptsächlich Fleisch, Eier und Milch, gibt es zahlreiche Alternativen. Die sind keine "Ersatzstoffe", wie es häufig empfunden wird, sondern vollwertige Lebensmittel. Die meisten Gerichte können problemlos vegan zubereitet werden, so auch Rührei, Flammkuchen, Sonntagsbraten und Sahnetorte (siehe etwa hier). Je nach dem, welche Zutaten man verwendet, unterscheidet sich der Geschmack natürlich ein bisschen von dem gewohnten "Original", aber anders ist nicht gleich schlechter, und in vielen Fällen höre ich auch: "Merkt man gar nicht, dass das vegan ist." 
  • "Bekommt man da nicht Mangelerscheinungen?"
    Wer entscheidet, sich vegan zu ernähren, hat sich in der Regel sowieso schon mit der Frage nach einer gesunden Ernährung beschäftigt. Eine ausgewogene Ernährung ist für Veganer wichtig - aber das ist sie auch für alle anderen. Einzig Vitamin B12 wird durch vegane Ernährung nicht zugeführt, dafür gibt es angereicherte Nahrung, Supplemente oder sogar Zahncreme. Was den Rest der Nährstoffe betrifft, so ist ein Mangel bei veganer Ernährung nicht häufiger als bei der üblichen Bevölkerung, im Gegenteil begünstigt vegane Ernährung durch den hohen Gemüseanteil eine gesunde Vielfalt beim Essen. Vorausgesetzt natürlich, man macht es richtig.
  • "Ist das nicht unnatürlich, wenn man supplementieren muss?"
    Zu Beginn hat mich die Tatsache, dass ich Vitamin B12 "künstlich" ergänzen muss, etwas abgeschreckt. Aber bei genauer Betrachtung ist unsere Ernährung heute sowieso in der Regel weit von Natürlichkeit entfernt; jedes konventionell verarbeitete Lebensmittel enthält Zusatzstoffe, und unserem Salz ist Jod beigefügt, weil es sonst bei den meisten Menschen ernährungsbedingt zu einem Jodmangel kommen würde. Für den Mehrwert, den vegane Ernährung hat, ist der Ersatz eines einzelnen Nährstoffes (an dem im Übrigen nicht nur bei Veganern ein Mangel herrscht) durchaus tragbar. Davon abgesehen: "Künstlich" ist auch die Einnahme von Pille und Medikamenten, aber trotzdem würden die Wenigsten darauf verzichten wollen.
  • "Ist das nicht ein bisschen übertrieben?"
    Das muss natürlich jeder selbst entscheiden. In der Regel ist es so, dass sich mit dem größeren Bewusstsein auch der Wunsch nach konsequenter Umsetzung entwickelt. Am Anfang steht häufig die Entscheidung, auf Fleisch zu verzichten, weil Tiere dafür in den allermeisten Fällen in Massentierhaltung ein sehr kurzes Leben verbringen; auch in den meisten Bio-Betrieben. Beschäftigt man sich jedoch weiter mit dem Thema, stößt man bald darauf, dass auch für die Produktion von Eiern Tiere sterben (dass hier zwischen 40 und 60 Millionen männliche Küken pro Jahr geschreddert werden, weil sie keine Eier legen können, ist keine Erfindung militanter Tierschützer) und die Kuh ja nur Milch geben kann, wenn sie ein Kalb bekommt - und all die Kälber enden natürlich nicht auf einer Weide. Unaufgeregte ARD-Reportagen über die moderne Landwirtschaft, ob Bio oder konventionell, verdeutlichen: Das will ich nicht unterstützen. Und bei der Recherche stößt man früher oder später auch darauf, dass tierische Produkte ja nicht nur Eingang in die Nahrung finden, sondern ebenso in Kleidung, Reiniger, Verpackung und so weiter. So kommt eines zum anderen.
    Es gibt aber noch einen ganz anderen Aspekt: Der weltweite Fleischkonsum, der in vielen Ländern deutlich höher ist, als die Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, bedingt unmittelbar die Abholzung des Regenwaldes (Anbauland für das Futter-Soja für Rinder) und verbraucht Unmengen von Wasser und Getreide. Es gibt deutlich bessere und deutlich ausführlichere Argumentationen für Veganismus (besonders hier; Infos bei Greenpeace und dem Vegetarierbund), denen ich nicht immer in allen Punkten zustimme, aber die Richtung ist die gleiche.
    Übertrieben wird es dann, wenn es ungesund wird oder man es im Alltag mit einem angemessenen Aufwand nicht mehr leisten kann. Beides ist bei Veganismus nicht der Fall; das sagen zumindest die mehreren hunderttausend Veganer, die es in Deutschland mittlerweile gibt.
  • "Das könnte ich nicht."
    Das habe ich früher auch gesagt, bevor ich mit mit dem Thema Ernährung auseinandergesetzt habe. Meistens erfolgt die Umstellung auch nicht von heute auf morgen, sondern über einen längeren Zeitraum. Schon kleine Schritte sind ein Erfolg. 
  • "Das wirkt alles ziemlich dogmatisch."
    Ich mache auch Ausnahmen, auch wenn sie seltener werden, und entgegen der herkömmlichen Meinung finden viele Veganer Fleisch trotzdem lecker, auch wenn sie es nicht mehr auf dem Speiseplan haben. Ich will, wenn ich mich mit jemanden über dieses Thema unterhalte, auch niemanden "missionieren", sondern nur Alternativen aufzeigen, die ich für sinnvoll erachte. Und die sich, gerade was die Ernährung betrifft, als unglaublich vielseitig und zufriedenstellend erweisen.

Dienstag, 9. April 2013

Ohne Umschweife

Karlsruhe:
"Bitte steigen Sie vorsichtig aus. Beachten Sie die Höhe der Bahnsteigkante."

Heidelberg:
"Bitte achten Sie beim Aussteigen auf den abgesenkten Bordstein."

London:
"Mind the gap."