Donnerstag, 7. März 2013

"Können Sie vielleicht Ihre Musik ein bisschen ..."

Die weißen Sneakers zuckten im Takt. Zerbeulte Jeans, Militärjacke, hageres Gesicht, dünne, aschgraue Gelfrisur. Kleine schwarze Knöpfe in seinem Ohr brüllten die anderen Leute im Waggon mit Hardrock an. Eine Frau zu seiner Linken, die mit ihrer leeren Cola-Light-Flasche jonglierte, nahm mit anderen Fahrgästen Blickkontakt auf und verdrehte amüsiert die Augen, sobald sich der Mann gesetzt hatte.
Etwa fünf Minuten später stand eine Frau mit schwarzrandiger Brille auf und trat an ihn heran. Sie beugte sich vorsichtig zu ihm herunter und sagte: "Entschuldigung, können Sie vielleicht Ihre Musik ein bisschen ..."
"Komm, also jetzt", rief er, als hätte er darauf gewartet, "du sitzsch ganz da hinte, also verschwind."
Die Frau richtete sich verblüfft auf und musste lachen. Ratlos warf sie ihren Freunden weiter hinten einen Blick zu.
"Aber ich hör's ja trotzdem", versuchte sie es noch einmal.
"Jetzt reg mich net auf und geh! Ich hab's schon leiser gemacht." Er starrte weiterhin beharrlich an ihr vorbei.
Die Frau drehte sich weg und ging zurück zu ihren Begleitern. "Was ist das denn für einer?", fragte sie, immer noch grinsend vor Überraschung.
Die Sitznachbarin des Mannes mit der Cola-Light-Flasche zuckte mit den Schultern. Der Mann steckte sich die Knöpfe tiefer in die Ohren und ignorierte die anderen. Den Nächsten, die sich an der Tür für die kommende Haltestelle sammelten, warf er zur Sicherheit ein paar feindselige Blicke zu.