Samstag, 17. März 2012

Bahnreisende, Typ 4: Die Busfahrer

Bei ausgeschaltetem Motor und mit gelegentlichem Blick auf die Digitaluhr neben dem Lenkrad unterhielt sich der Busfahrer mit einem Kollegen. Nach und nach stiegen einzelne Fahrgäste ein und er kontrollierte ihre Tickets. Draußen war es bereits dunkel.
"Weisch, dann kommt die da an und ich frag: 'Warum ham Se Ihr Ticket denn net entwertet?' und dann meint se: 'Oh, des hab ich vergesse'. Un wenn se's in der Bahn net entwertet hat, muss ich ja davon ausgehe, dass se's hier au net entwertet."
"Ha ja, klar."
Eine Frau mit Trenchcoat hievte ihren Koffer in den Bus. "Fahren Sie über Ladenburg?"
"Lässt sich einrichten."
Die übrigen Fahrgäste grinsten.
"Wie lang hasch heut?", fragte der Kollege, der sich zum Fahrer nach vorne beugte. Dieser drückte einen Knopf, die Türen schlossen zischend und der Bus fuhr an.
"Bis zwölfe."
"Oh je."
"Weisch, dafür kann ich morge ausschlafe. 'S hat alles Vor- und Nachteile."
Eine Weile schwiegen sie und das Dröhnen des Motors war das einzige Geräusch im Wagen.
"Wie lang isch eigentlich die Umleitung da noch?"
"Oh Lieber, des isch en G'schäft da! Z'erscht hieß es, bis März, jetzt hen se's unbefrischtet verlängert. Aber gebaut wird nix, gar nix!"
Sein Handy klingelte und er besprach eine Fahrplanänderung mit einem Kollegen.
Abends gelten andere Regeln. Die Busfahrer unterhalten sich, der eine oder andere singt leise vor sich hin, manche stellen das Radio an, um die späten Arbeitszeiten angenehmer zu gestalten. Die Fahrt wirkt nachts fast wie ein Besuch im Wohnzimmer des Fahrers. Kein Vergleich zu den lauten Vormittagsstunden, wo sich hunderte Schüler in den Wagen drängen und versuchen, in den Kurven das Gleichgewicht zu halten.Während sich tagsüber die Reisenden den Bus zu eigen gemacht haben, gehört er jetzt wieder ganz dem Fahrer.

Dienstag, 13. März 2012

Bahnreisende, Typ 3: Die Fußballfans

Die Türen öffneten sich lärmend und eine Herde Fußballfans strömte aus der Dunkelheit herein. Sie trugen übergroße dunkelblaue Trikots und hielten Bierflaschen und Plastikbecher in der Hand.
Einer blickte sich um, während der Rest die nächstbesten Plätze belagerte.
"En bissl Stimmung hier! Hey! Mir sin ja ned aufm Friedhof."
"Ey, pscht", machte sein Kumpel.
"Wuhuuu!"
"PSCHT!"
"Ich bin erscht ruhig, wenn da Holger sagt, ich soll's Maul halte."
"Halt's Maul."
"Scheiße." Er beschäftigte sich wieder mit seiner Bierflasche, während zwei andere aus der Gruppe sich unterhielten.
"Weisch, es tut weh, wenn se dann komme un sage 'Mensch Olli, guck dass wieder da Alde wirsch.'"
"Du, ich sag da's, ob du jetzt voll bisch oda ned ..."
"Ich bin voll."
"... du bisch imma noch da Alde."
Eine Weile schwenkte die Gruppe immer wieder Schals und Fähnchen und sang dazu, dann setzte langsam die Müdigkeit ein und die Gespräche wurden weniger. Die übrigen Reisenden vertieften sich wieder in ihre Bücher und Zeitschriften.
Schließlich gab es in der Gruppe nur noch ein letztes Thema:
"Un wann fahre ma morge früh?"
"Sechs Uhr sechsefuffzig."
"Sei ma ned bös, wenn ich erscht siebe Uhr fuffzehn fahr."
"Alla gud."
Einer nach dem anderen verabschiedete sich und stieg in die Dunkelheit hinaus. Zurück blieb zuletzt nur ein leerer Becher und der Geruch nach Alkohol.

Samstag, 10. März 2012

Ballet Bag

Material: Stoffrest, Nadel, Schere, Faden, Stopfgarn, alter Schnürsenkel, Spitzenschuhe ohne Zuhause