Dienstag, 31. Mai 2011

Die Puppe

Ein Kinderwagen schob sich zwischen den Fahrrädern vorbei, die überall die Ausgänge blockierten. Es war unangenehm warm im Zug und alle Fahrgäste hingen träge auf ihren Sitzen. Während die Mutter sich mit ihrer Freundin unterhielt, widmete sich das kleine Mädchen im Kinderwagen einer Puppe im rosa Strampler, die auf ihrem Schoß lag. Das Mädchen nahm die Puppe in beide Hände und drehte sie bedächtig. Langsam fuhr sie mit den Fingern über den Kopf und berührte schließlich das Ohr der Puppe. So verharrte sie einige Sekunden, dann nahm sie den Finger vorsichtig weg und legte ihn an ihr eigenes Ohr. Begeistert von ihrer Feststellung stupste sie nun an das andere Ohr der Puppe und wiederholte es bei ihrem eigenen. So beschäftigte sie sich einige Minuten. Dann drehte sie ihr Spielzeug scheinbar nachdenklich eine Weile in ihren Händen, bis sie es zielstrebig von sich streckte und ihrer Oma, die neben dem Kinderwagen Platz genommen hatte, bedeutete, die Puppe an sich zu nehmen. Genug gelernt für heute, sagte ihr Blick, als sie anschließend zufrieden aus dem Fenster sah.

Freitag, 27. Mai 2011

Das ist eben die Crux

Tja, das ist eben die Crux; dass wir uns mit dem, was wir kritisieren, ebenso viel beschäftigen müssen, wie mit dem, was wir befürworten.

Sonntag, 22. Mai 2011

Fahrräder

Wir sind wie der Verkehr auf einer vielbefahrenen Straße. Die Autos brausen vorbei, rastlos und in Eile. Sie vergessen den Teer unter ihren Reifen, denn sie sind vollkommen auf den Horizont ausgerichtet. Die Fußgänger dagegen blicken zu Boden, vertieft in ihre langsamen und angestrengten Schritte, und sehen nicht, wohin sie gehen.
Die Fahrräder aber bewegen sich in gemäßigtem Tempo. Sie konzentrieren sich auf den Weg, der unter ihnen liegt, ohne ihr Ziel dabei aus den Augen zu verlieren. Und hier und da, wenn ihnen die Puste ausgegangen ist, halten sie an und lassen die Umgebung auf sich wirken.

Donnerstag, 19. Mai 2011