Freitag, 15. April 2011

Leckerlis

In dem kleinen Wartehäuschen stand trüber Zigarettenqualm. Müde Stadtmenschen saßen auf den Bänken und blickten ab und zu auf die Anzeigetafel.
Eine humpelnde Frau in einer roten Jacke und verfilzten Haaren zog einen großen graubraunen Hund an der Leine mit sich. Sie steuerte auf das Häuschen zu.
"Komm", sagte sie laut zu dem Hund, "hier geht's nei." Der Hund folgte ihr und sie ließ sich auf einer durchgescheuerten Holzbank nieder.
"So, jetz." Die Frau wühlte in ihrer Tasche und zog eine Tüte heraus. "Des da? Oder schmeckt dir des andere besser?" Der Hund beschnupperte die Tüte. "Also, dann die hier."
Unter dem aufmerksamen Blick ihres Hundes zerrte die Frau mit ihren Fingern an der Tüte, die sich nicht öffnen ließ. Schließlich versuchte sie, die Plastikverpackung mit den Zähnen aufzubeißen. Während die anderen Wartenden ab und zu herübersahen, gelang es ihr endlich.
Sie zog einige Leckerlis heraus und gab sie dem Hund, der gierig darauf herumkaute.
"Des schmeckt, gell?" Die Frau beobachtete, wie der Hund sein Futter zerkleinerte. "Beim SKM ham die net so gute Sachen, stimmt's? Nee, beim SKM ham die net so gute Sachen."
Eine dicke Frau mit fettigem grauen Zopf, die mehrere Plastik- und Stofftaschen neben sich auf den Boden gestellt hatte, betrachtete die Hundebesitzerin schon seit einer ganzen Weile und lachte still vor sich hin. Jetzt bemerkte es die Frau in der roten Jacke.
"Was lache Sie da? Des stimmt! Da gibt's echt nur Mist."
Die dicke Frau winkte ab und lachte weiter vor sich hin, während der Hund die Leckerlis verschlang.

Montag, 11. April 2011

Erziehung

Ein älterer Mann mit starkem italienischem Akzent und eine ältere deutsche Frau mit kurzen, staubfarbenen Haaren unterhielten sich.
"Bleibs du jetz bei Elvira, oder was?", fragte der Mann.
"Nee, bei da Elvira bleib ich net, du weisch, warum."
Der Mann lachte.
"Ha ja, ich b'such meine Enkelinne ja gern, aber da geht's dann so: 'Oma, kannsch uns mal en Kaffee koche?'"
"Die sind ja auch schon erwachsen, oder?"
"Ja, die Jüngsch't isch siebzehne und die Ältsch't sogar scho achtzehn. Die könnt scho fascht heirate."
"Ja, stimmt. Aber erst muss sie was lernen."
"Schul fertig, des stimmt. Die Grösch't, die isch au g'scheit, des merkt ma. Die hat was im Kopf. Aber die annere, die hat früher immer geblärrt, wenn's in 'd Schul gange isch."
"Weiß du, die Mutter, die ..."
"Ja, ich hab's ihre au scho g'sagt. Da sin net ihre Töchter schuld, sondern sie allein. Wenn sie da net streng isch ..."
Der Mann nickte. "Weiß du, als wir sie besucht haben, da hab ich gesehen ... die dürfen abends mit Computer, oder Fernseher so spät. Und dann morgens sind sie nicht wach."
"Genau des isch es."
"Bei meine Kinder is das anders. Ich sage 'Nein' und dann mein ich 'Nein'. Solange ich lebe, macht mein Sohn, was ich will, und nicht, was er will."
"Ha ja, der Reschpekt vor de Eltern, besonders vor em Vater, der fehlt sonscht."
"Ja, eben, wenn die nicht ... gehorchen, dann gibt's, so einfach."
"So isch's au richtig. Annerscht lerne se's net."

Dienstag, 5. April 2011

Schmetterlingsstuhl

Material: alter Küchenstuhl, weiße Acrylfarbe (da die Sitzfläche nicht gestrichen war), Muster zum Aufkleben, Bastel Lack&Leim für Serviettentechnik

Kreative Beschäftigung für einen Nachmittag. Das Muster kann man entweder aus Servietten ausschneiden (dann nur die oberste Schicht aufkleben) oder auf normalem Papier ausdrucken. Mit dem Leim drübergehen, am besten mehrfach, damit alles wasser- und kratzfest ist. Bei Bedarf kann der Stuhl vorher noch in einer passenden Farbe gestrichen werden, dazu den Untergrund anrauen, damit die Farbe hält. Nach dem Farbauftrag mindestens einen Tag trocknen lassen, bevor es weitergeht.