Donnerstag, 30. September 2010

Memories

The fact that you can't relive your memories the same way you once experienced them shows that you have to move on and mustn't rest in the past for too long. It'd leave you unsatisfied and hollow.

Montag, 27. September 2010

Die Bahn und die Menschen darin


Die Bahn begrüßt die überfüllte Haltestelle mit ihren gelb leuchtenden Augen. Ich lasse mich vom Strom der Menschen hineinziehen. Das vertraute Geräusch, wenn die Türen sich schließen und die Räder sich langsam bewegen.
Während draußen, von den meisten unbeachtet, die Stadtlandschaft vorbeizieht oder sich weite Getreidefelder in der Morgendämmerung ausbreiten, sitzen im sacht schwankenden Zug die Menschen dicht beieinander. Arbeiter, die zu erschöpft sind, um sich über das Ende ihrer Schicht freuen zu können. Mädchen, viel zu jung für ihr Make-up, die ihre Köpfe zusammenstecken. Männer in Anzug und Frauen in Kostüm, die Ledertasche auf den Knien. Kleine Jungs, die von ihren eigenen Schulranzen überragt werden und sich über Computerspiele unterhalten.
Über allem hängt noch die frühe Stille. Die Bahn gibt die Bewegungen vor, alle Köpfe schwanken müde immer wieder in die gleiche Richtung. Manche schließen dabei einfach die Augen und versuchen, sich einen Teil des geraubten Schlafes zurückzuholen.
Meine Haltestelle ist dran. Die Bahn verabschiedet mich mit einem nachlässigen Quietschen. Sie weiß, dass ich nicht lange weg bin. Und sie hat recht. Wenige Stunden später drücke ich erneut auf den Knopf und die Türen öffnen sich zischend.
Nachmittags, wenn die Sonne bereits tiefer sinkt, blicken die lesenden Passagiere mit zusammengekniffenen Augen auf ihre blendenden Seiten. Die Musik der großen Jungs mit den weiten schwarzen T-Shirts und zerrissenen Hosen hört man im ganzen Waggon. Kinderwagen zwängen sich durch die Gänge, geschoben von Frauen mit Handys am Ohr. Ein Mann sitzt mit seinem kleinen Sohn alleine und öffnet sich die zweite Flasche Bier, während er die Füße auf die Polster legt. Ein junges Pärchen hält sich verliebt an den Händen und blickt auf das kleine Kind, das vorsichtig den Sitz erkundet. Die Finger einer älteren Frau huschen mit dem Bleistift über ihren Skizzenblock, während sie die Gesichter der Mitreisenden festhält. Eine Frau liest ihren beiden Kindern aus einem Bilderbuch vor. Alle, die keine Knöpfe im Ohr haben, hören ihr zu. Zwei Männer unterhalten sich auf Englisch über ihre Firma. Die Bahn atmet ihre Worte aus, als die Türen sich öffnen.
Ich stehe auf und betrete den Bahnsteig. Eigentlich bin ich immer etwas enttäuscht, dass ich aussteigen muss. Nirgends ist man so nah an den Menschen dran.
Die Bahn fährt weiter und nimmt die Geschichten der Leute mit auf ihre ratternde Fahrt. Ich sehe ihr hinterher, möchte am liebsten winken. Aber ich weiß, dass sie das nicht beachten wird, denn ich bin in der Masse der Reisenden klein und unbedeutend für sie. Aber das ist mir gleich. Ich werde trotzdem jeden Morgen hier sein und frierend auf sie warten. Und auf die Menschen, die drin sitzen.

Samstag, 25. September 2010

Mittwoch, 22. September 2010

Gerüchte

Gerüchte sind lästige kleine Biester, die weniger über den Menschen aussagen, den sie zum Gegenstand haben, als viel mehr über den, der sie verbreitet.

Montag, 13. September 2010

Old money and what to make of it

Material: alte Münzen aus verschiedenen Ländern, alte Schlüssel und ein Messinganhänger, eine alte Zigarrenkiste

Mittwoch, 8. September 2010

Little Children

There were three little children at the guinea pigs' enclosure. I didn't pay much attention to them until one of them threw sand at a rabbit. I looked up and watched what was going on. There was a boy, probably eight years old, with short brown hair, and another, much younger, maybe five years, with short blond hair. He wore a pullover which was way too big for him so his hands were covered with the sleeves. And there was a girl, she was about seven years old. But my first impression was one of a thirty year old woman. Her hair was coloured in bright blond. She wore ballerinas in glittering blue, a leggins with leopard pattern and a blue top with pearls around the neck. I'm quite sure I saw traces of make-up in her face.
The little one cried the whole time. The taller boy leaned over the fence of the enclosure and tried to catch a rabbit, but the animal fled into a hut. The girl laughed. "Come over here, you asshole", said the tall boy and threw sand at the other guinea pigs and rabbits.
"I don't think they like it", said a woman who was standing next to us at the enclosure. The kids looked at her for a very short moment and turned to the animals again. The little one stopped crying and laughed as the other boy fumbled around at the gate. It opened and the kids held it, eager to find out whether the animals would leave the enclosure. The woman next to me came closer and told them off. As soon as she left the enclosure, they started opening the gate again. The rabbits didn't react, so the kids threw each other into the enclosure. When the woman came running back and called a staff member of the zoo who was walking past, they suddenly fled. It was now obvious that they had entered the zoo by climbing over the low fence nearby. By the time the employee arrived, they were already gone. The woman who had watched all this talked to him for some time and other people told them they had already told off the kids before.
I just wondered how anybody could let those children wander around the streets in this big town and how anybody could have forgotten to educate them. It wasn't because they were the worst-educated kids I had ever seen, but because they were only one example out of so many.

Begegnung am Bahnhof

Ich stand am Bahnhof und wartete auf meinen Zug. Alles war in frühherbstliches Sonnenlicht getaucht. Ich lehnte zufrieden an einer Säule, als eine alte Frau auf mich zutrat. Ihre grauweißen Locken waren ein wenig verwildert. Sie trug eine dicke Brille mit ovalen Gläsern und goldenem Rand. Als sie den Mund zum Sprechen öffnete, sah ich ihre schiefen Zähne.
"Schöne Kette", sagte sie mit italienischem Akzent und deutete auf die Kette mit Holzperlen, die ich trug.
"Danke", sagte ich und lächelte zurück.
"Gott hat seinen Sohn Jesus Christus auf die Erde geschickt, um uns zu erlösen, was sagen Sie dazu?"
"Was soll ich dazu sagen?"
"Sie müssen lauter sprechen, ich höre nicht so gut."
"Was soll ich dazu sagen?", wiederholte ich.
"Jesus Christus ist unser Erlöser, was halten Sie davon?"
"Ich bin nicht gläubig."
"Was?"
"Ich bin nicht gläubig", sagte ich etwas lauter.
"Oh", sagte sie bedauernd und gleichzeitig wissend. "Und warum nicht?"
"Ich brauche das nicht."
"Das sagen viele, aber erst, wenn sie zu Gott gefunden haben, merken sie, was sie vermisst haben."
"Mir geht es so schon sehr gut."
"Wie bitte?"
"Ich sagte, mir geht es auch so schon sehr gut. Ich bin glücklich."
"Aber nur mit Gott kann man ein ewiges Leben haben. Wenn man seinen Auftrag vor Gott erfüllt, bekommt man ein glückliches Leben, das nie endet."
"Mir reicht das eine Leben."
"Was?", fragte sie, dieses Mal nicht, weil sie es nicht richtig gehört hatte. "Einfach sterben?"
"Ja, wenn ich alt bin, will ich gerne sterben."
"Ja, ja", sagte sie nachsichtig, "Sie sind jung. Aber später, irgendwann, werden Sie sehen, dass es nur mit Gott geht. Alle, die sagen, dass es ohne Gott geht, lügen. Ich hab's auch erst nicht geglaubt, aber dann hat mir eine Bekannte alles gezeigt und ich habe gemerkt, was mir gefehlt hat. Vielleicht werden Sie das irgendwann auch merken. Eines Tages kommt Gott auf die Erde und dann geht es denen, die nicht glauben, schlecht."
"Aber nur aus Angst gläubig zu werden, das funktioniert doch nicht."
"Nein, nicht aus Angst! Glaube ist viel mehr! Man tut, was Gott will, was in der Bibel steht."
"Ich glaube nicht an das, was in der Bibel steht."
"Sie müssen lauter sprechen!"
"Ich glaube aber nicht an das, was in der Bibel steht."
"Vielleicht später, wenn der Punkt gekommen ist", sagte sie hoffnungsvoll.
Der Zug fuhr ein. Wir verabschiedeten uns höflich und jeder stieg an einer anderen Tür ein. Als ich mir einen Platz suchte, sah ich, wie sie mit ihrem Wägelchen alleine Platz nahm. Jetzt, aus der Distanz betrachtet, wirkte sie gar nicht mehr wie eine engagierte Missionarin. Sie wirkte vor allem einsam.